konferenzmitschnitt

mehr als
quer
mit spezialitäten
transfer der
in der leere wirkenden kräfte
kooperationsfähigkeitskompetenzen
präziser aber frei wir werden
unsere studierenden besser füttern
die musiker wissen um den hinterausgang
denn die mittel werden knapp
wir wissen das alle

all diese dinge haben wir bewusst getarnt
man kann sehr viel tun in der kommunikation
mit relativ wenig effekt

jetzt gebe ich kurz ihnen das wort
alumnibewirtschaftung aus be=
triebswirtschaftlicher perspektive

der aufbau unterschiedlicher dialogfenster
im pluridiziplinären umfeld ausgedrückt
oder zum ausdruck gebracht: eine recherche
für das galgenfeld wie viel interessen
leben da aneinander vorbei

Der Niemandsländer

Der Niemandsländer lebt hier und da, aber niemals benennbar. Er unterhält allein Untermieten und vermeidet es tunlichst, seinen Namen an Briefkasten oder Klingelschilder zu schreiben. Der Niemandsländer verwendet Care Of, er knüpft seine Adresse stets an den Namen eines Anderen.

Kürzlich hatte die Vermieterin des Niemandsländers, eine gutmütige Dame mittleren Alters, seinen Briefkasten und neben der Haustüre auch die Klingeltopografie mit seinem Namen versehen.
– Es geht doch nicht an, mein lieber Herr N., dass Sie nirgends angeschrieben stehen. Sie zahlen so vorbildlich Ihre Miete, Sie machen mir keine Sorgen, wenn doch alle Mieter so wären … Nun, ich habe diesen Misstand beseitigt, bitte entschuldigen Sie, dass es so lange gedauert hat.
Kaum hatte der Niemandsländer die Tür hinter ihr geschlossen, brach er in Schweiß aus, ein dünner Film bildetete sich auf dem Rücken, dem Hals, dazu die feuchten Hände: Der Niemandsländer verfasste seine sofortige Kündigung, brachte sie zur Post und packte seine Kleider zusammen. Der Niemandsländer besitzt nicht mehr als er mit zwei Händen davontragen kann. So nahm er zwei Koffer in die Hände, nickte seiner Vermieterin zu, die vor den Briefkästen stand, und verließ das Haus.
Sie schien darüber etwas verdutzt, aber vielleicht verreiste der Niemandsländer, so ein angenehmer Mann, und so dachte sie sich nicht dabei. Der Kündigung am Folgetag lag die großzügige Begleichung der nächsten Monatsmiete bei, sodass sich die Vermieterin erfreut zeigte über den Auszug des Niemandsländers. Nur dass er nichts gesagt hatte, als sie über die Schilder berichtet hatte, befand sie für seltsam. Sie entfernte die Aufkleber, dafür genügte eine zweidaumengroße Flasche Alkohol.

Der Niemandsländer mietete sich derweil in einer Pension ein, die keine drei Straßen weit entfernt lag. Sein Eintrag im Meldeschein war undeutlich, aber da er für eine Woche im Voraus bezahlt hatte, wiederum ein großzügiges Trinkgeld inklusive, und außer durch seine unterschwelligen Unruhe keinen besonders besorgniserregenden Eindruck auf den Rezeptionisten gemacht hatte, kümmerte sich dieser weiter um sein Kreuzworträtsel. Er riet später seinen Namen.

der baumstamm und das kind

das kind ist strohblond, fast weißgold wie die mutter. die mutter trägt ein sackkleid, das der wind zum 100-jährigen baumstamm bläht. der baum setzt das kind in ein karussell, dreht, lacht, dreht – und während das kind kreischt, wartet der baum, dass das karussell zum stillstand kommt. er hebt das kind heraus und auf seine schultern. der baum läuft ein stück, dann setzt er das kind wieder ab. es greift nach den kieseln am boden, wirft sie umher und klatscht. der baum lächelt, hebt das kind zurück auf seine schultern und geht fort.

Wie riecht Glück? So!

»Wie riecht Glück?«, fragt ein Journalist die Hunde auf dem Betonplatz am See. Er gibt ihnen eine Blume in die Pfote. Sobald die Hunde  nachdenken, eilt er zu seiner Kamera, schaut auf das sonnenverblendete Display  und reckt einen Daumen in die Luft.

»Glück«, sagt ein Hund, »riecht nach türkischem Mokka mit zwei Stücken Zucker und es fühlt sich an, wie wenn man einen zu gierigen Schluck nimmt und den Satz im Mund hat, drauf beißt und sich fragt, ob er wacher macht als die schwarze Brühe allein.«

»Nach Tierspital«, sagt eine Hündin. »Wenn man sich fest wünscht, man könnte etwas entfernen, das in einem ist. Wie einen Tumor oder Krebszellen, aber dieses Etwas ist ortslos. Oder überall. Man kann es nicht rausschneiden, nicht verstrahlen, nicht einmal daran sterben. Es tut nichts. Es ist einfach da. Da, da, da und es schaut aus dem Spiegel.
Wenn das weg ginge, das wär Glück.«

Ein letzter Hund schüttelt sich voller Abscheu. Er erinnert den Journalisten an einen Spatzen, der erschrickt, weil er sich auf einen Kindergeburtstag verirrt hat, gleichsam aber die Menschen zu gut kennt, als dass er um sein Leben fürchtete. Der Hund sieht den Journalisten an, kurz, dann durch ihn hindurch – und er löst sich aus seinem Tag wie ein ausgewaschener Fleck.