Veröffentlicht: August 9th, 2014 von

Armenien Journal Logbuch

Veröffentlicht: April 14th, 2014 von

Vorzeichen 1: Heuschrecke: zirp, zirp, zirp, zirp, zirp, zirp, zirp
Vorzeichen 2: Schafe: mäh, mäh, mäh, mäh, mäh, mäh, mäh, mäh
Blitz: Zlicht
Donner donnert: Donner, Donner.
Blitz: Zlicht
Donner donnert: Donner, Donner.
Blitz: Zlicht
Donner donnert: Donner, Donner.
Blitz: Zlicht
Donner donnert: Donner, Donner.
Blitz: Zlicht
Donner donnert: Donner, Donner.
Blitz: Zlicht
Donner donnert: Donner, Donner.
Blitz: Zlicht
Donner donnert: Donner, Donner.
Die apokalyptischen Reiter galoppieren mit ihren Pferden über die Erde. Klackergeräusch für Hufe. Dort, wo sie sind, reißt die Erde auf.
Erde reißt auf: Reißgeräusch von Papier.
Das Schaf wird immer leiser und hört auf.

Ein Engelschor singt schlecht.
Diskutierende Götter beklagen sich über den Engelschor: Seufzen. Tze, tze, tze. Aischamamama. Immer lauteres Reden.
Der Engelschor klingt so schlecht, dass alles einstürzt, alle Häuser.
Singen.
Zusammensturzgeräusch. Hände auf Tischen. Krachkrach. Bumm.
Alle Götter werden erschlagen.
Stille.
Überall liegen erschlagene Götter. Das hungrige kannibalistische Einhorn läuft durch die Stille und fragt sich, ob es die Götter fressen kann. Murmelt vor sich hin. Hände als Hufgeräusche.
Plötzlich ein Feuer. zschzschzschzsch.
Das Einhorn schnappt den Gott und schleift ihm zum Feuer. Dann grilliert es ihn.
Das zornige Lamm tritt auf. Es hält einen Monolog. 3 Minuten Mäh.
Das Einhorn wiehert noch. Das zornige Lamm erschlägt das Einhorn.
Dann ist das Lamm das postapokalyptisch herrschende Wesen.

Logbuch

Veröffentlicht: Dezember 27th, 2013 von

»blendung durch tiefstehende sonne
das stauende befindet sich im nebel.«

Journal

Veröffentlicht: Dezember 21st, 2013 von

we’re sharing the same picture having taken the same perspective only changed a preference in order to distinguish ourselves your world is bluer than mine white tends to become blue from afar we’re exchanging the remembrance of the same day in a conference hall propperly climatized with 15 degrees less than outside

wir teilen das gleiche bild haben dieselbe perspektive nur eine einstellung verändert um uns voneinander zu unterscheiden deine welt ist blauer als meine weiß bläut in der ferne wir tauschen die erinnerung an denselben tag ein gut klimatisierten saal 15 grad kälter als draußen

 

Logbuch

Veröffentlicht: Dezember 21st, 2013 von

du machst das alles sehr gut, taron, ich finde, du machst das alles wirklich ganz ausgezeichnet. aber schau, taron, das ist jetzt nicht schön. nicht? ja, siehst du. ich sags nochmal: du machst alles richtig. du leistest wunderbare arbeit, du triffst die richtigen entscheidungen. aber

das hier ist nicht schön!

es wäre gut, wenn du einen weg findest, dass das alles hier abgebaut wird. das wäre eine sehr gute entscheidung. schau, taron, in drei jahren wird das alles nicht schön aussehen. und wir haben doch gesagt, dass wir eine schöne stadt wollen.

taron, meinst du, du findest einen weg?

gut. gut, taron.

dann möchte ich jetzt den polizisten danken.

Bilinguisme Logbuch

Veröffentlicht: Dezember 21st, 2013 von

die menschen sind einflügelige
mit (sehr) geraden achsen
mit rändern wie reißverschlüssen
(kaputt sind ihre schlitten:
sie schließen nicht)
die menschen sind einflügelige
sie fliegen nicht.

[ikarusübung im herbst '12]

agilité et fragilité lyrik

Veröffentlicht: Dezember 21st, 2013 von

er sagte, ich solle zuschließen. er sagte es auf einer sprache, die ich nicht verstand, aber er drehte dabei die hand, als verschließe er etwas, und er zeigte auf eine kleine kette, die neben der obersten liege hing, ich war allein im abteil.

er brachte bettzeug, das ich neben mich legte. als er eine stunde später sah, dass ich noch immer neben dem bettzeug lag, scheuchte er mich auf und bezog die liege. er war klein, rundlich, ein großvater.

ich schlief knopfschmerzlastig. ein pochen zwischen den augenbrauen. vor dem fenster kaufland.

ich las kapuscinski: die welt im notizbuch. wir hielen in sichtweite eines bahnhofs. ein bahnhof ist ein ort, wo ein zug hält und menschen zu- und aussteigen. könnten. zwei grenzer stiegen zur passkontrolle in den zug. der schaffner stand am fenster und warf brotstücke hinaus. das brot fiel auf hohes gras, das so trocken war, dass es unter dem brot aufrecht blieb. ein hund lag daneben und rührte sich nicht.

der schaffner stieg aus und füllte mit trinkbrunnenwasser einen kanister. neben ihm tollten zwei hunde. der brothund hatte, da der schaffner nicht mehr hinschah, ein brotstück geschnappt und kaute daran. er blieb liegen, als der zug sich in bewegung setzte. von nun an waren alle ortsnamen kyrillisch, ich lokaler analphabet. der großvater fragte, ob ich zigaretten wolle, er hatte bleistiftdünne. oder tee. komm, komm, der einladene arm, und stopp, die schließende hand.

[sommer 12]

Journal

Veröffentlicht: Dezember 21st, 2013 von

»Fotografien sammeln heißt die Welt sammeln. Filme und Fernsehprogramme flimmern vor uns auf und verlöschen wieder; durch das Standfoto aber ist das Bild auch zum Objekt geworden, leichtgewichtig, billig zu produzieren,  mühelos herumzutragen, zu sammeln, in großen Mengen zu stapeln.«

Journal

Veröffentlicht: Dezember 21st, 2013 von

ein mann anfang dreißig, groß und mit bierbauchansatz, der stolz über den gürtel drängt, kramt in seiner laptoptasche; darin befinden sich statt eines computers eine große colaflasche, einige papiere und ein mobiltelefon, das er vom hektischen piepsen erlöst:

“ja, rené? … ja, wir treffen uns um neun … ich brauche nur weihrauch und weihwasser, dann geht das alles in ordnung.”

Logbuch

Veröffentlicht: Dezember 19th, 2013 von

»Istanbul Notizen« erschien im November 2013 als erstes eBook beim Digitalbuchverlag Shelff. Die Autorin Mely Kiyak war im Sommer 2013 zu Gast in der Künstlerakademie in Instanbul. Eigentlich wollte sie nur Ruhe zum Beobachten und Schreiben. Aber sie landete in einer Türkei, der genau in diesem Moment der Geduldsfaden riss. Also lauschte Kiyak, was die Leute sagten, fragte nach und schrieb mit. Ihre Beobachtungen, Begegnungen und Kommentare formen 120 lose beschriebene Seiten. Kiyaks Notate gleichen auf den ersten Blick mehr einem mündlichen Bericht als einer Journalisten- oder Literatensprache. Was allerdings vollkommen kontrastiert wird von der Schönheit ihrer Sprachbilder. Auf fast jeder Seite möchte man Sätze anstreichen, weil sie wahr sind, schön oder gleich beides. So erklären die Stammbesucher des Gezi Parks: »Mein Kind, wir wollen, dass es grün bleibt. Schau dich um. Wir sehen vor lauter Beton den Himmel nicht mehr.« Einandermal überrascht die scheinbare Beiläufigkeit in Kiyaks Beschreibung: »Wie ich meine Hand in die Seitentasche dieses Pullovers stecken wollte, war da schon eine drin. Das muss man sich einmal vorstellen. Man denkt sich nichts böses und trifft auf eine behaarte Männerhand die einen gemütlich nach Münzen oder anderen Wertgegenständen abtastet.« Egal ob Straßendiebe, Demonstranten, Sicherheitsmänner oder Reisebüroleiter, am Ende bilanziert Kiyak: »Man trifft auf Menschen, die so aufregend sind, so anders, so anders fein, und anders lustig, und alle Begegnungen lassen die Herzkranzgefäße tanzen« – die Leserherzkränze tanzen mit.

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