Kategorien-Archiv: Journal

Schrift ist wie Sex, ein Mittel des Überlebens

»Schrift ist, wie Sex, ein Mittel des Überlebens. So analogisiert Hans-Georg Gadamer die Reproduktion der Spezies und des Wissens in einem Aufsatz zu Schrift und Gedächtnis, in dem er auf den methodischen Vorrang der Schrift gegenüber der lebendigen Rede verweist, ›sofern die Eingrabung von Spuren, wie sie die Zeichen der Schrift vor denen der verhallenden Rede voraushaben, einen Weltaspekt von eigenem Realitätsdrang repräsentiert‹ (16 und 10). Schrift ist freilich auch ein Mittel gegen die Flüchtigkeit des Tages, das den Menschen eines tieferen, zumindest aber über die Zeit der Gegenwart hinausgehenden Sinns seiner Existenz versichert.«
Roberto Simanowski (2002): Hyperfictions. Vom Schreiben im Netz. Frankfurt: Suhrkamp. S. 59.

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Zweites Fundstück des Tages: Stephan Porombka: Hypertext. Zur Kritik eines digitalen Mythos.

»Unser ästhetisches Empfinden wird angeregt durch das harmonische Gegengefüge von Ordnung und Unordnung, wie es uns in natürlichen Gegenständen begegnet – in Wolken, Bäumen, Gebirgszügen oder Schneekristallen. Ihre Formen gehen allesamt auf dynamische Prozesse zurück, die physikalische Gestalt angenommen haben, und besondere Formen von Ordnung und Unordnung sind typisch für sie.«
Eilenberger, zit. nach Gleick (1987), S. 174ff.

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Fundstück des Tages. Stephan Porombka: Hypertext. Zur Kritik eines digitalen Mythos

»Die Techniker, die 1951 UNIVAC, den ersten kommerziellen Computer für die Firma Remington Rand entwickelt hatten, standen bei der Vorführung für die Auftraggeber genau vor diesem Problem, die inneren Prozesse des Computers übersetzen zu müssen. Deshalb kamen sie auf die Idee, an den Konsolen Glühbirnen anzubringen, die immer dann, wenn der Computer zu rechnen begann, nacheinander aufleuchteten. Zwar stand der eigentliche Rechenprozeß in keinerlei Zusammenhang, doch gaben sie der Maschine ein Licht- und Leuchtgesicht, das ihr irgendwie Persönlichkeit verlieh. Ausgehend von der Idee, daß die Augen beim Menschen das Tor zur Seele öffnen, um den Betrachtern zu suggerieren, einen Einblick in den Apparat zu bekommen.«
Stephan Porombka (2001):  Hypertext. Zur Kritik eines digitalen Mythos. S.189.

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Ein Loch im Rost. Eine Reise in die armenische Dichtung

Der Umschlag der Anthologie »Zeitgenössischen Armenischen Lyrik« zeigt ein rostiges Tor, darauf ein in Stein geschlagener Engel. Auf der Rückseite bildet der Umriss des Engels ein Loch im Metall: Man blickt durch einen bewölkten Himmel auf den Ararat.

Durch Loch im Zaun steigt der Leser in das kleine fremde Land im Südkaukasus. Es fühlt sich an wie Abenteuer. Nichts ist geplant, aber alle sind euphorisch: Das hier ist Pionierarbeit. Die bisherigen Übertragungen armenischer Literatur ins Deutsche lassen sich an den Fingern und Zehen eines einzelnen Menschen abzählen, es sind Gedichte, Romane, Erzählungen und Epen. Zählt man die Namen der Übersetzer, genügt schon eine Hand.

Für die »Zeitgenössische Armenische Lyrik« ist es immerhin ein Dutzend Übersetzer, die den Leser nach Armenien führen. Manche Übersetzungen sind glasklar und gerade. Andere, von armenisch-deutschen Übersetzer-Duos geschaffen, delirieren sich in sinnlosem Reim und Rhythmus oder versinken in Stilmittelfluten à la »Ruhende Raupe / Geistesblitz des Genies«.

Die Essenz des verworren-schwammigen Vorwortes: Umbrüche. Wenn man über die armenische Literatur seit den 1960er Jahren spricht, so lässt sie sich auf den gemeinsamen Nenner des »Umbruchs« bringen. Es gibt Transformationen, Übergänge, Brüche. Die konkreten historischen Ereignisse spiegeln sich in einigen Texten der Anthologie: Der Völkermord an den Armeniern im osmanischen Reich 1915. Die langen Jahre der Sowjetherrschaft. Im Dezember 1988 das Erdbeben von Spitak. Anfang der 90er Jahre der Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Enklave Berg Karabach. Die »dunklen Jahre«. Noch heute leben 35,8% der armenischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Violett Grigoryan zeigt den Alltag dieser Menschen in ihrem Gedicht »Über Liebe und Krieg«. Fast entsteht der Eindruck, man lese eine Reportage:

»Für ein bisschen, ein kleines bisschen Vergnügen
gebe ich mein ganzes Geld.
Meine Hübschen, zarte Geldscheinchen.
Stapel von Zehnern,
entschuldigt mich Närrin,
dieses Jahr habe ich wieder keine Schuhe gekauft,
für ein bisschen, ein kleines bisschen Vergnügen
laufe ich noch ein paar Jahre barfuß.
Du da, Gespenst, Hohepriester des Kiosks,
du gaunerischer Schatten im Kerzenschein,
Magier der Bude,
gib mir Kaugummi, Wein und Zigaretten.«

Auch das Gedicht »Falle« von Hovhannes Grigoryan trägt derart reportagenhaften Züge. Es erzählt von einer vielköpfigen Familie, die in einem Eisenbahnwaggon lebt. Ein Reporter besucht die Familie und das einzige, was er zu erzählen findet, ist eine Fliege in der Luft und wie synchron sich da die Hälse recken. Schließlich steckt der Reporter das letzte Essen ein und verschwindet »als der Waggon an Fahrt zunehmend / fortfahren würde da zu bleiben / wo er stand«. Grigoryan erzählt ruhig und schörkellos in der Übersetzung von Raffi Kantian. Seine Sprache hat die Kargheit des Waggons, vom dem sie spricht. An anderer Stelle erzählen die armenischen Gegenwartsgedichte von den universalen menschlichen Themen: Von Liebe, Konflikten und Tod.

»Noch ein Lied«, ebenfalls von Grigoryan, ist ein wunderbares Anti-Kriegslied, voller Wiederholungen und leichter Varianzen. So wie sich die Tode wiederholen und einander gleichen, von ihren kleinen eigenen Zügen abgesehen.

»NOCH EIN LIED

Und jene, die gestern umgebracht wurden,
und jene, die morgen umgebracht werden,
und jene, die brüllten
›Hoch das Vaterland‹,
und jene, die es nicht mehr schafften:
Sie alle hatten
blaue oder schwarze Augen,
hatten Vornamen und Namen,
Anlässe für Freude und Trauer.
Auch wenn alle heimatlichen Instrumente erklingen,
auch wenn alle Mütter wehklagen in verschiedenen Sprachen,
die Sprache der Trauer bleibt gleich,
gleich bleibt die Farbe der Tränen
und verständlich für jedermann.
Ich jedoch,
dem man viele Sünden nachsagt,
feure vielleicht morgen,
vielleicht schon heute,
in olivgrüner Uniform
die letzte Kugel ab im Namen der Zivilisation
und falle brüllend
›Hoch das Vaterland‹,
oder vielleicht schaffe ich es nicht mehr zu brüllen.
Und meine Mutter beweint mich in Schiraker Mundart
und verflucht in derselben Mundart
alle Kriege dieser Welt.«

Andere Gedichte begeben sich ins Surreale. Varlen Aleksanyan lässt ein Flügelwesen sprechen. Es fragt, was tue man mit Flügeln in einer Welt, die nicht erlaube, sie zu strecken, damit zu umarmen, zu beten, zu tanzen, gar zu fliegen? Nicht einmal in die Seiten dürfe man sie stemmen. Allein wenn sie hängen, ertöne Applaus.

Eine Kollektion verschiedener Apokalypsen wohnt, ziemlich erstaunlich, vor allem bei den jüngeren Autoren. Man macht sich bereit für den Untergang, winters oder kurz danach. Ins Marine Petrosyans Gedicht »alles ist zuende« geht die Welt in Schnee unter. Zuerst vergesse man den Alltag, dann erkenne man die Todesgefahr und schließlich frage man sich: »wozu denn ein haus / wenn / der schnee sogar die vögel bedeckt / die im himmel sind«.

Was bei Andranik Karapetyan folgt, ist nicht weniger bedrohlich: Der Winter löst sich auf, Taube für Taube verlässt das Weiß seine Flächen und die Vögel landen auf den Schultern des Erzählers – bis schließlich »draußen ein Frohlocken der Farben war, / Und der Schwere des Weißes / Meine Schultern nicht mehr aushielten, / Fühlte ich plötzlich eine ungeheure Erleichterung. // Zahllose Tauben / Hoben mich mit in den Himmel …«

Bei dieser Anthologie mag man berührt sein von den guten Gedichten oder enttäuscht von jenen, die vielleicht auch nur in deutscher Übersetzung schrecklich klingen. Manche, über die die Reimwut hinweggefegt ist wie ein Wirbelsturm, der alles Feine und Bestaunenswerte zerstört hat.

Das Büchlein ist ein Schnellschuss, dem mehr Sorgfalt gut getan hätte. Aber es ist zumindest ein Einstieg. An den scharfen Kanten des Zauns, durch den die Übersetzer nach Armenien gestiegen sind, um die armenische Dichtung ins Deutsche zu holen, bleibt einiges hängen. Aber es entsteht auch der Wunsch nach mehr Gedichten von Hovhannes und Violett Grigoryan, Marine Petrosyan und Andranik Karapetyan – und gern in der Übersetzung von Raffi Kantian.

Der Band »Zeitgenössische Armenische Lyrik« ist ein Produkt sachsen-anhaltisch-armenischer Kooperation: Der armenische Schriftstellerverband besorgte die Textauswahl, für die Übersetzungen arbeiteten deutsche und armenische Übersetzer und Lyriker gemeinsam.

Es ist zu hoffen, dass aus dieser Kooperation noch mehr Projekte entstehen werden – ihrerseits sorgfältiger gearbeitet, lektoriert und gestaltet. Aber vor allem eines muss sich ändern: Die Bücher müssen für das deutschsprachige Publikum verfügbar werden. Man muss erfahren, dass es dieses Buch gibt – und es mühelos bestellen können. Die Zielgruppe der Publikation sollte nur einen Mausklick, einen Anruf oder einen Gang zur Buchhandlung davon entfernt sein. Wenn Vertriebswege im deutschsprachigen Raum entstehen, ist der erste Schritt gemacht, damit uns die armenische Dichtung zugänglicher wird.

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Barekendan – Karneval auf armenisch

Samstag, der 9. Februar 2013, Feierabendzeit. Auf dem Vorplatz des Verkehrsknotenpunktes Jeritasardakan tanzen Jugendliche: manche in armenischen Trachten, andere mit selbst gebastelten Masken. Hinter ihnen spielt ein Junge Dhol, ein zweiter Zurna. Ein alter Mann gesellt sich dazu. Zuerst tanzt er allein, dann zur Gruppe hin. Schließlich verschwindet er so rasch, als habe er mit all dem nichts zu tun. Die Jugendlichen aber tanzen weiter. In ihren Gesichtern leuchten rot bemalte Nasen und Pausbacken, schimmern Frohsinn und goldene Faschingspailletten. Syuzanna Siradeghyan, eine junge Ethnografin, verteilt Liedtexte an Passanten und erklärt, was ihre Gruppe dort treibt:

»Wir feiern ›Barekendan‹. Das ist ein altes armenisches Fest, ein bisschen wie Karneval in Deutschland. Man verkleidet sich, tut verrückte Dinge – man bricht aus dem Alltag aus. Aber in den dunklen Jahren haben wir Barekendan verloren und heute wissen viele Leute nicht mehr, was das ist. Das wollen wir ändern.«

Eine junge Frau mit schwarzer Maske und roten Lippen fügt hinzu:

»Unser Ensemble will die alte Tradition wieder auferstehen lassen. Früher hat man zwei Wochen lang gefeiert – es war die Zeit vor dem großen Fasten. Es gab Gelage, fettig und viel, ganze Dörfer feierten gemeinsam. Mädchen und Jungen verkleideten sich und zogen durch die Straßen. Begleitet von Zurna und Dhol sangen und tanzten sie –  und die Anwohner schenkten ihnen Süßigkeiten.

Mit Barekendan vertreibt man das Böse und bittet das Gute zu sich. Und während dieses Festes gibt es keine Unterschiede zwischen den Menschen: kein Arm und Reich, kein Alt und Jung. Nicht einmal König und Volk.«

Vom Vorplatz zieht die Gruppe weiter und durchläuft die Unterführungen der Abovyan-Straße. Die Musiker spielen, die Händler und Passanten schauen und staunen. Gereckte Mobiltelefone produzieren Wackelfilmchen für den nächsten Kaffeeplausch, eine nächste Zigarettenpause. Die schwarz Maskierte kommentiert:

»Wir hoffen, dass die Leute sich an Barekendan erinnern, wenn sie uns sehen. Und wer weiß, vielleicht feiern sie es später wieder selbst.«

An ihren Umzug hängt die Gruppe einen Tanzkurs in einer schummrigen Bar. Zwischen den Liedern, während man Softdrinks oder Kaffee schlürft, erklärt eine knarrende Märchenonkelstimme die Herkunft des Festes. Dann füllt sich die Tanzfläche, das nächste Lied klingt an und die Fotografin macht körnige unscharfe Bilder, bis sie schließlich selber tanzt.

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Fundstück des Tages: Sprachschluderei auf allen Ebenen – Von richtiger Moral und falscher Grammatik | Deutschlandradio Kultur

Einen wunderbaren Radiobeitrag zum fragwürdigen Umgang deutscher Massenmedien mit der deutschen Sprache hat die Schriftstellerin, Übersetzerin und Journalistin Pieke Biermann sür Deutschlandradio Kultur verfasst. Die Perle:

»Satzzeichen aus dem Würfelbecher, auch bei feinsten Edelfedern.«

via Sprachschluderei auf allen Ebenen – Von richtiger Moral und falscher Grammatik | Politisches Feuilleton | Deutschlandradio Kultur.

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Sonntagmorgenfundstück: Ernest Hemingway: Paris. Ein Fest fürs Leben

Hemingway sitzt in der Closerie des Lilas, er schreibt. Ein Bekannter tritt ein und richtet das Wort an ihn. Wie gern möchte der Bekannte selbst schreiben, aber, ach, er kann es nicht. Er redet. Hemingway ignoriert ihn eine Weile:

»Das Gejammer anderer Leute hatte ich schon mein Leben lang gehört. Beim Schreiben störte mich das nicht mehr als andere Geräusche« (S. 201)

Schließlich meint Hemingway, genug geschrieben zu haben, und wendet sich an den Bekannten:

»Du sollst nicht schreiben, wenn du nicht schreiben kannst. Das Gejammer nützt doch nichts. Geh nach Hause. Besorg dir Arbeit. Häng dich auf. Aber red nicht darüber. Du hast noch nie schreiben können.« (S. 203)

Ernest Hemingway: Paris. Ein Fest fürs Leben. Rowohlt Verlag, Reinbek 2011;
Gebunden, 315 Seiten, 19,95 EUR
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Fundstück des Tages: Über die Wohnlichkeit des Internets: »Die Krise der Blogger« — der Freitag

Alles begann, als ich vierzehn war. Man trieb sich auf myblog herum, führte öffentliche oder geschlossene Blogs, machte seinen Freunden das Passwort zum Geschenk. Manche wechselten die – damals wusste man noch nicht, dass man sie so nennt – Privatsphäreeinstellungen mehrmals wöchentlich. Morgens vor der Schule klickte ich mich durch die aktuellsten Einträge: Meist von Schülern, die vom Leidensdruck ihrer psychischen Erkrankungen oder ausgeprägten Pubertäten dazu gezwungen waren, ihre Verlorenheit in der Welt schon morgens um fünf zu bekunden. Man las die Blogs gegenseitig, kommentierte, machte sich Mut. Traf Geister, die auf der Grenze zum Tod balancierten und dabei die sonnigsten, wärmsten Gedanken an ihre Leser schickten. Mancher verschwand zeitweise, für immer oder tauchte plötzlich wieder auf. Wir glaubten uns unberechenbar wie streunende Katzen. Wieder andere schrieben über ihre fröhliche Leben und verschenkten Süßigkeiten per Post. Myblog, unsere Plattform, war dabei so unberechenbar wie wir: Plötzlich war ein Blog weg, wieder da, manchmal für Stunden gesperrt, für Tage stabil. Dieses ewige Plötzlich-Wegsein trieb den einen oder anderen ins eigene Netz: Domain gekauft, WordPress installiert und los. Trotzdem kam man als Leser zurück zu myblog. Und man wurde älter. Sortierte Blogs nach: Den fürs Fotoportfolio, den für die Seele, den fürs Haustier. Irgendwann hatte jeder eine Kollektion von ungepflegten Netzleichen, die man mit mehr oder weniger Wehmut löschte oder auf ewig weiterdümpeln ließ. Dann kamen die sozialen Netzwerke. StudiVZ, später Facebook, Google. Hängen geblieben sind wir auf Facebook. Aus meinem Freundeskreis führt niemand mehr einen Blog, den ich regelmäßig lese. Es führt überhaupt niemand mehr einen Blog. Wir werfen uns Fundstücke, Häppchen und Befindlichkeiten entgegen – und angesichts des deutschen Urheberrechts scheint es auch sicherer, seine Fundstücke dem beschränkten Freundeskreis auf Facebook zu servieren, als sie blogöffentlich zu machen. Vorschaubilder, ick hör dir trapsen. Es ist nicht mehr: »Bloggen ist so einfach wie E-mails zu schreiben«, womit myblog einst warb. Heute heißt es: Wir tun alles auf einer Plattform: Microblogging, Fotos teilen, E-mails schreiben. Denn ja, es ist bequemer, der Freitag hat recht:

Auf Facebook oder Google+ ist es auch nicht nötig, eine eigene Form oder einen eigenen Stil zu finden, denn alles ist vorgegeben. Die Einstiegs-Hürden und Anforderungen sind niedrig. Das kommt den Couch-Potatoes des Internets in ihrem Neobiedermeier entgegen. Ein Blog gleicht eher einer zugigen Haltestelle als einer Wohlfühlnische.

via Debatte ǀ Die Krise der Blogger — der Freitag.

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Stil, ein Maßanzug

»Sich der Gegenwart zu stellen, heisst, sich der Komplexität zu stellen. Und um die aufs Papier zu bringen, braucht es Stil. Oder genauer: mehrere Stile, je nach Sachlage. Stil ist nie Selbstzweck, er ist ein Massanzug für die Fakten.«

via 15 Thesen zum Journalismus im 21. Jahrhundert | Deadline.

Für die Literatur ließe sich daraus ableiten: Stil ist nie Selbstzweck, er ist ein Maßanzug für die Welt. Und die Welt ist dabei Dach für Fakt wie Fiktion.

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