Kategorien-Archiv: Journal

Fundstücke. Notizen. Pläne. Fetzchen.

Jahresrückblick – DAAD Projektarbeit

2015 hatte ich die Ehre, zwei Projekte des DAAD im Südkaukasus und der Türkei begleiten zu dürfen.

Im Juni 2015 war es die Sommerschule »Stadt, Land, Fluss« mit je fünf Teilnehmern aus Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Hier ein Rückblick von Eranuhi, einer Teilnehmerin aus Armenien:

In meinem Jahresrückblick spielt eine große und wichtige Rolle der DAAD Hochschulsommerkurs ,,Stadt -Land – Fluss -…

Posted by Eranuhi
Smbatyan
on Wednesday, December 30, 2015

Im August 2015 spürten zehn armenische und zehn türkische Teilnehmer in Ankara, Ordu, Trabzon und Eriwan unter Anleitung von Mira Sophia Fisch, Metin Yildirim und mir den »Geschichten aus der Nachbarschaft« nach. Gefördert wurde das Projekt vom Auswärtigen Amt, unterstützt vom DAAD Armenien, der Bilkent Universität Ankara, der Eriwaner Staatlichen Brjussow Universität für Sprachen und Sozialwissenschaften sowie zahlreichen beratenden Partnern.

Hierzu schreibt Eranuhi:

Im Jahre 2015 habe ich die unfassbar schöne, unbeschreibbar tolle und abenteuerreichste Zeit dank DAAD- Studien- und…

Posted by Eranuhi Smbatyan on Wednesday, December 30, 2015

Wenige Tage zuvor sah ich auf Facebook Bilder aus Istanbul, die mich überraschten – und zutiefst erfreuten. Taron, ein Teilnehmer aus Armenien, der derzeit mit DAAD-Stipendium in Deutschland forscht, hatte seinen Weihnachtsurlaub für einen Besuch in Istanbul genutzt. Sein Foto kommentierte er mit: »Çay bahçesinde. P.S. Der Tee hat nie so gut geschmeckt.«

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Schöner kann das Jahr kaum enden. Danke!

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Aktuell: »Geschichten aus der Nachbarschaft«

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Vom 16. August bis 1. September 2015 begleite ich zwanzig armenische und türkische Teilnehmer auf der Blogger- und Studienreise »Geschichten aus der Nachbarschaft«. Gemeinsam erkunden wir armenische und türkische Kultur, Geschichte und das Alltagsleben in Ankara, Samsun, Ordu, Trabzon und Eriwan.

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Lesen Sie hier die türkischen und armenischen »Geschichten aus der Nachbarschaft« auf Deutsch.

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Zitat des Tages: Gedichte in einem weg

Ich habe Gedichte geschrieben. Einfach so, in einem weg. Musik dagegen habe ich unendlich langsam geschrieben, gestrichen, korrigiert, neu geschrieben. Dann habe ich gedacht: Es gibt Leute, die genauso an ihren Gedichten arbeiten. Ihnen überlasse ich ab jetzt die Literatur.
Tigran Mansurjan

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Vorweihnacht

Eine alte, in Tannengrün gekleidete Frau, deren Sprache ohne Zähne aus ihrem Mund fällt, trägt weiße, strahlend schöne Chrysanthemen ins Café. Die Blumen stecken in einem Weißweinkarton, worauf das Wort ›Muscat‹ angekreuzt ist. Ein Kellner in schwarz-bordeauxroter Uniform zupft einen Chrysanthemenstrauß aus dem Karton. Die Alte greift in einen Plastiksack, den sie neben sich gestellt hat, und holt ein Beutelchen heraus: »Ich hab noch was für euch.« Der Kellner zögert. »Keine Angst, mein Junge, das ist ein Geschenk!« Sie greift in das Beutelchen und holt einen riesigen Tannenzapfen heraus. »Nun nimm schon.«

#Jerewan #Charles #Samstag

[Während ich dies tippe, zittern die Blätter eines jungen Weihnachssterns über meinem Laptopdisplay. Selig bin ich Samstagsschreibende.]

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der weg zu gott

@ Argam Yeranosyan

Foto: Argam Yeranosyan, Text: Wiebke Zollmann

die stufen zum oratorium sind so ungewohnt hoch, dass der eilige fuß dagegen schlägt und keinen halt findet. der reisende erstarrt, kauernd, auch die hände hält er versetzt auf die stufen gestützt. so schaut er zur kirchentüre hinauf und verharrt einen augenblick, ehe er sich mit, wie es von unten scheint, lächerlicher langsamkeit weiter tastet.

die stufen, auf denen nur zwei kinderfüße, nie aber die beiden eines erwachsenen platz fänden, sind der einzige weg nach oben. von zwei seiten führen sie zu einer hölzernen tür, hinter der ein frauenchor singt. der schönste klang des landes, sagt ein engländer, dessen gesicht die farbe von granatäpfeln angenommen hat. er verzichtet auf den aufstieg, mit seinem sonnenbrand leuchte er stark genug, dass gott ihn auch so sehe (und er sei ja nicht zum ersten mal hier).

er und seine kollegen, die in der selben klimatisierten obstkiste angereist sind, beneiden die scharen flinker kinder, die schier mühelos die stufen auf- und abhuschen. nur dass man die kleinen muskeln sehen kann, wie sie sich spannen und lösen, verrät, dass dieser weg auch die kinder kraft kostet. trotzdem springt eines die stufen auf nur einem bein hoch. das obst, noch steht es unten, schlägt sich die hände vor den mund, damit sein ängstlich oo in der mundhöhle zurückbleibt und das kind nicht herabreißt.

aber diese kinder wüssten gar nicht, dass man fallen könne, sagt der engländer, und deshalb fielen sie nicht. im gegensatz zu den alten mit ihren vagen erinnerungen, wie es früher war, als man fiel. sie fürchten sich bald mehr vor der vorstellung als vor dem fall selbst. trotzdem wollen sie ins oratorium, sie geben sich mutig und die heimischen sagen zu ihren kindern: warte, lass mal den mann hoch, und die kinder treten zurück, damit die gäste die stufen hinaufsteigen. bald aber beginnen die scharen zu nörgeln, wie langsam diese fremden seien, wie sie über die treppen, ja, beinahe, kriechen. sie scheinen aus ländern zu kommen, wo nicht schmale treppen zu gott führen, sondern breite flache tritte mit beidseitigen geländern. dort brauchen die menschen keine wunder, nicht einmal mut, der zu gott hinführt.

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