Deutscher Müll

Villeroy und Boch werben mit vorbildlichem Umweltengagement
Villeroy und Boch werben mit vorbildlichem Umweltengagement

„Der Schutz der Umwelt ist eine Aufgabe, die Villeroy & Boch auf vielen Ebenen aufgreift“, damit wird der Besucher der Website villeroy-boch.de unter dem Navigationspunkt Umwelt begrüßt. In aller Ausführlichkeit schwärmt man für die umweltschonenden Produktionsprozesse, verschiedene Standards, Zertifikate, die das Unternehmen erhalten hat.

In Jerewan in der Straße Mesrop Mashtots soll bald eine Filiale des deutschen Keramikherstellers eröffnet werden, die Fenster sind schon sorgfältig dekoriert.

Den Müll allerdings entsorgt man schon jetzt nicht: Im Hinterhof des Gebäudes stapeln sich Verpackungen – keine zehn Meter neben einem leeren Müllcontainer.

Editiert: Seit dem 16. Juni 2009 ist der Innenhof von Villeroy & Boch in Jerewan müllfrei.

Lichtertanz in Jerewan

In Jerewan lässt sich abends ein sonderbares Schauspiel beobachten
In Jerewan lässt sich abends ein sonderbares Schauspiel beobachten

Im Rahmen des französisch-armenischen Freundschaftsjahres von Ende September 2006 bis Juli 2007 installierte Frankreich auf dem Platz der Republik in Jerewan eine Wassershow. Sie ist seither im Sommer täglich ab 21.00 Uhr zu sehen: Licht und Wasser in verschiedensten Figuren, die Bewegungen musikalisch hinterlegt mit einem äußerst eigenen Mix aus armenischer Folklore, Opern, Evergreens wie „We are the champions“. Vor dem kniehohen Wasserbecken trifft sich täglich ein buntes Publikum, denn das Spektakel ist eines der wenigen kostenlosen Angebote in der Hauptstadt.

Die Installation ist beliebtes Fotomotiv - und ein kostenloses Angebot für jedermann
Die Installation ist beliebtes Fotomotiv - und ein kostenloses Angebot für jedermann

Armenien to go – in zehn Stunden erleuchtet

„enlightened armenia“ nennt der Veranstalter, envoy tours, sein Programm. „Ich will Flügel an euch sehen – wenn nicht mache ich euch bei der Weinverkostung so betrunken, dass ihr glaubt, ihr könntet fliegen“, so begrüßt Reiseführer Georg seine Touristengruppe: Ein Norweger, ein Franzose, eine Chinesin, eine Angestellte des Hostels, für das er die Touren veranstaltet und eine Deutsche. Wir haben zehn Stunden Zeit, um das Christentum Armeniens zu entdecken.

Im toureigenen Minibus geht die Reise nach St. Etchmiadzin, dem Hauptsitz der armenischen Kirche. Meist im lockeren Plauderton erzählt der Reiseführer Anekdoten, macht zahlreiche Witze – und an jedem Ort mindestens einmal die Floskel „ wie auch immer“.

Die Erklärungen bleiben oberflächlich und die zehn Stunden für die religiösen Zentren in der Republik Armenien erscheinen wie ein „Armenien to Go“. Womit es für die Bedürfnisse eines Durchreisenden, der in einer Woche das Land erfahren will – und dann mit dem Gefühl, er kenne Armenien weiterreisen will, durchaus optimiert ist. „Ihr ahnt es – wir müssen weiter“, dann rollt der Minibus fort von den Orten, an denen mancher Gast gern länger geweilt hätte. Vorteil des Durchlauf-Programmes: Man kommt herum. Die Rundfahrt führt weiter nach Khor Virap nahe der türkisch-armenischen Grenze. Dort klettern wir über ein Ausgrabungsfeld – Kultur, die einst von der Sowjetregierung als unbedeutend aufgegeben und seither nicht weiter erforscht wurde. So hat der gemeine Tourist selbst die Möglichkeit, auf bedeutende Funde zu stoßen – oder sie zu zertrampeln. Wir besehen die Kirchenanlage von Khor Virap und dürfen bei einer armenischen Familie auf dem Dorf zu Mittag essen.

„Wir sind eine Art Charity-Organisation – klar, ein Betrieb, der Profit machen will, aber wir geben eine Menge davon weiter. Zum Beispiel suchen wir gezielt Familien aus, die dringend Unterstützung benötigen“, erklärt Georg. Der Künstler, der bei der „enlightened armenia“-Tour die Touristen empfängt – im Idealfall zweimal wöchentlich – ist ein Freund von ihm. Seine Frau serviert Lawasch, frische Kräuter, Dolma, verschiedene Gemüsesorten, gebratenes Hochlandgras mit Ei. Der Sohn sitzt griesgrämig in der Ecke des Wohnzimmers, die Tochter flüchtet nach einer kurzen Begrüßung vor den Gästen. Zum Nachtisch gibt es Süßes und armenischen Kaffee. Das Essen ist unbestreitbar lecker, während die Atmosphäre irgendwo undefinierbar zwischen Business und Herzlichkeit schwankt.

In Noravank haben wir die letztmalig die Chance, eine Kirche zu betrachten. „Wisst Ihr, warum die Treppen hier so unsicher gebaut sind? Man kann auf ihnen leicht aufsteigen, aber hinab wird es schwierig.“ Georg blickt erwartungsvoll in die Runde. „Das ist der Weg zu Gott. Hinaufzusteigen ist leicht – aber wer den Weg hinab wagt, sollte vorsichtig sein.“

Noch ein letzter Blick auf die Täler, über denen die Kirche von Noravank thront, dann fahren wir zur Weinkellerei „Ani“. Der Reiseführer macht seine Ankündigung wahr: Eine Tour um den Geist zu erleuchten, auf dem Rückweg nach Jerewan ist die Chinesin still geworden. „Ich habe noch nie zuvor Wein getrunken“, jetzt den armenischen. „Lecker!“

Um auf einer zehnstündigen Tour für 12.000 AMD, rund 24 Euro, erste kulinarische und christliche Eindrücke von Armenien zu bekommen, ist die Tour äußerst empfehlenswert. Weil die Gruppen kaum mehr als zehn Mitreisende umfassen, ist die Tour den eigenen Ansprüchen noch anpassbar und nur wenig gehetzt.

Bei der Rückkehr nach Jerewan weiß man zumindest eines: Welche Orte man noch einmal in aller Ruhe besichtigen wird.

Kerzenreste aus Noravank

Kerzenabfälle hinter die Mauern von Noravank gekippt
Kerzenabfälle hinter die Mauern von Noravank gekippt

Kerzen in Kirchen sind wundervolle Gesten: Fürbitten, Dankbarkeit, oder nur ein schöner Anblick. Wenn die Kirche – mit dem Kerzen natürlich – so weit abgelegen scheint, dass kaum ein Müllfahrzeug sich dorthin verirrt, kann die Lösung dreckig werden.

Der Reiseleiter scheucht die Gäste rasch weiter: „Warum willst du das fotografieren? Sowas soll man von Armenien nicht sehen!“

Jerewan: Gelandet, Visum erhalten, dann lockt die Innenstadt

Aber Vorsicht: Der einfachste Weg dorthin kann teuer werden

Für den sparsamen Reisenden gibt es zu den Taxifahrten, für die zweifellos mit beachtenswerter Energie geworben wird, günstigere Alternativen: Flughafentransfer, den die Hotels zu günstigen Konditionen anbieten, oder Busse.

Wer diese blauäugig missachtet, verlässt sich auf die laut Reiseführer „Armenien – 3000 Jahre Kultur zwischen West und Ost“ inzwischen 30 Euro teuren Taxifahrten – und zahlt, falls besonders unerfahren, leicht noch mehr.

Rezension Selbstreisehandbuch

Selbstreisehandbuch
Band 1 – Zur Reisevorbereitung
Band 2 – Für Unterwegs
Deutsche Zentrale für Globetrotter (HG.)
pmv Peter Meyer Verlag, Frankfurt am Main 2001, 2002
535, 252 Seiten
ISBN 3-89859-500-5, ISBN 3-89859-505-6
23,00 €

Von Globetrotterei bis All-Inclusive – praktische Tipps für jedermann

Selbstverständlich reise ich selbst, denn bisher ist es den Menschen noch nicht gelungen, andere für sich reisen zu lassen und die Erinnerungen und Gefühle doch selbst erlebt zu haben. Ich reise für mich, die anderen für sich. Stellt sich ein Selbstreisehandbuch dem Anspruch, für jeden Reisenden nützlich zu sein?

Mit den beiden Teilen des Selbstreisehandbuchs, „Band 1 – Zur Reisevorbereitung“ und „Band 2 – Für Unterwegs“, hat die Deutsche Zentrale für Globetrotter sich dieser Aufgabe angenommen – und war erfolgreich.
Die Handbücher geben Tipps, die für Totalanfänger genau so gelten wie für Weltreiseprofis. „Auf einem Baum in etwas 4 m Höhe“ ist man vor Braunbären in Sicherheit, das lernt der Leser, dazu, wie er sein Reisegepäck vor Diebstahl schützt, was bei einem Wanderritt zu beachten ist und wie er herausfinden kann, ob er ein Urlaubssouvenir wirklich brauchen wird.

Die Selbstreisehandbücher bieten zu beinahe jedem Thema Anregungen, wo ausführlichere Informationen zu finden sind, Reiseberichte, -führer, Internetseiten. So kann der interessierte Leser noch vor Reiseantritt herausfinden, dass man in der Republik Armenien nicht mit deutschen Arbeitsgemeinschaften der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, kurz ARD, bezahlt, obwohl im Länderlexikon, einer ausführlichen Faktensammlung zu verschiedenen Destinationen steht: „1 Dram (ARD) = 100 Luma“.

Selbst die Abschnitte, die für die eigenen Reise völlig irrelevant scheinen, sind lohnenswerte Lektüre: Der erste Band, der beim Reisenden zuhause verbleiben soll, ist zuweilen ausführlicher gestaltet, zu jedem Thema gibt es Erfahrungsberichte verschiedener Autoren, sodass sich das Handbuch beinahe als Reiseberichtsammlung lesen lässt – ohne dass die sachlichen Informationen zu kurz kommen.
Manche der Tipps wiederholen sich im zweiten Band. Die Erfahrungsberichte fallen weg, dafür erläutern die Autor Norbert Lüdtke anhand von 136 Situationen, wie sich der Reisende verhalten könnte, gleichwohl gilt der Vorsatz: „jede Situation ist neu. Kein Tipp und keine Regel gilt immer.“

Fazit: „Nur reisen müssen Sie selbst …“ – die Vorbereitung stimmt.

Ausgewählte Infos im Netz

Neben den klassischen Druckerzeugnissen bietet das Internet einiges an touristenfreundlicher Information. Eine persönliche Auswahl:

www.destinatio.de
Länder-Information, ein alphabetischer Überblick mit Grundwissen für den Armenientouristen, im Mosaik werden einzelne Orte und Themen genauer betrachtet.

www.skylines.at
Tipps to go: Ein Jerewan-Touristenführer in Faltblattform zum Ausdrucken und Mitnehmen.

www.botschaft-armenien.de
Die armenischen Botschaft in Deutschland mit ausführlichen Informationen zu Armenien und seiner Geschichte, außerdem Anlaufstelle in Konsular- und Visaangelegenheiten.

Ein Touristenvisum, das für 120 Tage gültig ist, bekommt man allerdings günstiger bei der Einreise am Flughafen Zvartnots für 60 USD.

www.flugverein-guetersloh.de/armenien
Eine Projektmanagerin bei Lycos Europe hat 2003 über ihre 80 Tage in Jerewan gebloggt.